Reisetagebuch

12 June

über somerset und totnes in devon nach brighton

interview lief gut, jetzt heisst es warten, bis alle unterlagen bearbeitet sind und dann kann es losgehen. ich fahre viel umher, bin mal hier ein paar tage, mal dort. seit totnes mit benoit zusammen, heute sind wir in brighton angekommen. übermorgen fliegt benoit nach quebec und was ich dann mache, weiss ich noch nicht...
17:14:50 - ulrika -

09 June

London

es regnet, regnet und regnet. der himmel ist grau, es ist kalt und trotzdem ziehen sich die londoner an als wäre es warm und sonnig.
ich war zwei tage mit laura, noam und paul zusammen. jetzt habe ich schon gepackt, mich schick gemacht und alle unterlagen in ordnung gebracht. morgen gehts mit dem zug nach bath und dann dem bus nach holcombe, wo ich am nachmittag zum interview verabredet bin. das geldverdienleben kommt näher und ich weiss nicht so recht, ob ich glücklicher wäre, wenn sie mich nehmen oder wenn sie mich nicht nehmen...
london ist schon ganz vertraut, die ecke hier, new cross, lewisham, deptford kenne ich nun ein bisschen, den rest gar nicht. es ist unglaublich laut, sirenen den ganzen tag, und anonym, obwohl mich alle leute bei jeder gelegenheit darling, love oder honey nennen. es ist bunt und aufregend, aber anstrengend, ich könnte hier nicht lange leben.
14:11:46 - ulrika -

03 May

der beginn der schweinegrippe...

15:37:25 - ulrika -

02 May

longo mai in basel

ich bin in basel, und arbeite wie letzten herbst am hinterhaus der zentrale der kooperative longo mai. es ist fast fertig, noch ein bisschen feinschleifen, grundieren, lasieren, schrauben, bohren, wachsen, spachteln...
viele interessante diskussionen bis in den frühen morgen, über die welt, über eine neue gesellschaft, veränderungen... hier liegt es in der luft.
longo mai besteht seit 35 jahren. angefangen mit linken protesten haben sie den städten in der schweiz damals den deal vorgeschlagen, dass sie den weggang der leute von longo mai nach frankreich auf das land finanziell unterstützen sollten, da sie ja jetzt die teuren einsätze der wasserwerfer nicht mehr brauchen.
hannes hat erzählt, dass es einmal eine volksabstimmung in der schweiz gab, ob man das militär abschaffen sollte. immerhin 35 prozent der leute haben dafür gestimmt. (ich fand das wenig, er fand es viel). jedenfalls hatte er die idee, das militär, das ja sowieso nur zur verteidigung des staates da ist und das, falls die schweiz jemals angegriffen würde, sowieso eine niederlage erleidet, abzuschaffen und das dadurch ersparte geld für kostenlose sportprogramme einzusetzen. klettern, fallschirmspringen.... die angesagtesten neuen sportarten, um das volk so richtig fit zu halten. und dann, wenn der feind das land übernimmt, wären all die sportlichen menschen durchaus in der lage, ihm das leben schwer zu machen.

in den verschiedenen kooperativen in frankreich, der schweiz, deutschland und südamerika passiert viel. biologische landwirtschaft, tierzucht, holz und wollverarbeitung, lokales radio, politische aktionen zu den themen asyl (sie schaffen es immerwieder, ungerechte abschiebungen längst hier heimatlicher menschen aus anderen ländern abzuwenden in mühseliger jahrelanger arbeit) und saatgut (durch initiativen wie die longo mais wird die artenvielfalt bewahrt und den monopolbestrebungen der konzerne auf dem (ja wirklich- es gibt ihn) "saatgutmarkt" etwas entgegengehalten ), in verschiedenen ländern unterstützen sie sich neubildende projekte, solidarische formen des zusammenlebens und arbeitens, vorallem in randgebieten und krisenzonen. sie bilden jugendliche aus, schaffen netzwerke der regionalen zusammenarbeit und selbsthilfe.

und nicht nur hier am grossen tisch in der küche, auch gestern am ersten mai bei einem strassenfest hier in basel hörte ich menschen reden über die frage, was kommt nach dem kapitalismus?
15:39:50 - ulrika -

20 April

revolutionäres aus den alpen

es gibt keine hausnummer, das haus heisst le clou de rive, der nagel am ufer. was auch immer das bedeuten soll...
der ausblick aus dem schlafzimmerfenster nach hinten zeigt ansteigende wiesen, dann nadelbaumwälder, dann steile felsen mit ein paar flecken von schnee. nach vorn heraus ist eine kleine strasse ohne viel verkehr, andere häuser, unter anderem das ganz neue haus von fred, der freundlicherweise erlaubt hat, dass wir uns auf seiner veranda mit unseren ordinateurs portables (laptop auf französisch) in sein wireless internet einklinken. am nördlichen rand des dorfs thollon les mesises kann man dann den genfer see aus fast tausend metern höhe überblicken.
hier oben beginnt gerade der frühling, dort unten am see ist er schon fast sommerlich.

im wohnzimmer steht ein kleiner holzofen, ein neues modell, dicht und sauber, mit einem fenster zum in die flammen schauen. draussen vor der tür habe ich heute ein grossen haufen holzscheite aufgestapelt, wir mussten welche kaufen, da die reserven aufgebraucht waren. siebzig euro für einen kubikmeter. es ist nicht so leicht in dieser westlichen welt anzukommen, in der ohne geld so gar nichts funktioniert. passend zu meinem zustand, arm an geld zu sein, und reich an glück, freiheit, träumen und kreativen möglichkeiten, haben wir vor kurzem einen film gesehen, einen gut recherchiertern und aufklärenden film, der die grundfesten einiger weltanschauungen zu erschüttern in der lage ist. ich will ihn weiterempfehlen an die, die verstehen wollen warum wir so leben wie wir leben. ich habe etwas rausgeschrieben und übersetzt, um einen eindruck zu geben. was ich hier ins deutsche übersetzt habe ist dann auch weiter unten im englischen orginal, für lieber englisch lesende. es ist ganz schön amerikanisch-dramatisch im ton, aber ich hoffe, dass schmälert nicht den guten beitrag. wie all diese filme ist auch dieser nicht perfekt, aber hilfreich im verstehen von zusammenhängen und voll an weltverbesserungspotenzial....)

zeitgeist addendum, der zweite film der zeitgeistbewegung.
film im internet: www.zeitgeistmovie.com
der erste film ist auch interessant, aber der zweite scheint mir wichtiger. für den ersten gibts deutsche untertitel, für den zweiten weiss ich nicht. aber alles frei im internet mit der bitte, es weiter zu kopieren.
(übrigens hat paulo coelho jetzt etliche seiner bücher zum frei herunterladen ins internet gestellt. passend zu den pirate bay gerichtsverhandlungen und urteilen, er hat auch klar ausgedrückt, dass er pirate bay (filesharing on the internet) damit unterstützt.)

unsere gesellschaft besteht aus einer reihe institutionen. von politischen institutionen, gesetzlichen institutionen, religiösen institutionen, zu institutionen sozialer schichten, der familie und berufsgruppen. der tiefgreifende einfluss, den diese traditionellen strukturen haben im formen unseres verständnisses und unserer perspektiven ist offenkundig. von all diesen sozialen institutionen, in die wir hineingeboren, von denen wir gesteuert und konditioniert sind, scheint kein anderes system so sehr missverstanden und als selbstverständlich angesehen zu sein als das des finanzwesens, der monetarismus, das geldsystem. in beinahe religiösen ausmassen existieren die etablierten finanziellen institutionen als eine der am wenigsten hinterfragte form des glaubens, die es gibt. wie ist geld kreiert, auf welche art und nach welchen regeln ist es verwaltet und wie beeinflusst es die gesellschaft und die weltweite entwicklung, das sind fragen, die der grösste teil der bevölkerung kaum stellt.
in einer welt, in der ein prozent der bevölkerung vierzig prozent des reichtums der erde besitzt, in einer welt, in der 34 000 kinder täglich an armut und vermeidbaren krankheiten sterben und fünfzig prozent der weltbevölkerung von weniger als 2 dollar am tag lebt, ist eines ganz klar: etwas ist nicht in ordung.
und ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, das lebensblut all unserer etablierten institutionen und demzufolge der gesamten gesellschaft ist geld. deswegen ist es wichtig zu verstehen wie dieses system des monetarismus funktioniert, um zu verstehen, warum unsere leben so sind wie sie sind. unglücklicherweise wird ökonomie oft als verwirrend und langweilig empfunden, endloser finanzieller jargon gemischt mit einschüchternder mathematik schreckt die menschen schnell ab vom versuch, es verstehen zu wollen. tatsächlich aber ist die komplexität, die mit dem finanziellen system assoziiert wird, eine maske, die die stärksten, sozial lähmenden strukturen der menschheit verschleihert.

(der film erklärt dann viel über die die verwaltung von geld, globale zusammenhänge, über das marode system basierend auf krediten, schulden, zinsen... , über künstlich erzeugte knappheit zu gunsten des profits in einer welt, die genug für alle hätte, künstlich erzeugter wirtschaftsaufschwung und dem folgend unabänderlicher absturz, weltbank...)

die sozialen werte unserer gesellschaft, die sich manifesieren in wiederholten kriegen, korruption, repressiven gesetzten, sozialen schichtungen, irrelevanten aberglauben, umweltzerstörung und einer sozial gleichgültigen, profit orientierten oberklasse, sind das resultat einer kollektiven ignoranz gegenüber zwei der grundlegensten einsichten, die menschen haben können was die realität angeht, der vergängliche, sich immer erneuernde und der symbiotische aspekt der naturgesetzte. durch die vergängliche, fliessende natur der realität sind alle systeme, ob es nun technoligie ist, wissen, gesellschaft, philosophie oder jede andere kreation, ständigem wechsel ausgesetzt, wenn sie nicht daran gehindert oder blockiert werden. was wir heute als normal betrachten, moderne kommunikationssysteme oder verkehrsmittel war unvorstellbar in vorherigen zeiten. auch wird die zukunft technologien enthalten, realisierungen und soziale strukturen, die uns heute unergründbar sind. wir entwickelten uns von alchemie zur chemie, vom glauben an dämonen als ursache für krankheiten zur modernen medizin, und diese entwicklung zeigt keine zeichen einer endlichkeit. dieses bewusstsein richtet uns aus und führt uns auf einem kontinuirlichen pfad zum wachstum und fortschritt. statisches empirisches wissen existiert nicht, vielmehr ist es die einsicht der vergänglichkeit aller systeme, die wir realisieren müssen. das heisst, wir müssen immer offen für neue informationen sein, auch wenn es unsere ansichten oder identitäten zu bedrohen scheint. traurigerweise ist die gesellschaft darin gescheitert und die etablierten institutionen fahren fort wachstum zu verhindern indem sie ihre unmodernen sozialen strukturen sicherstellen wollen. gleichzeitig leidet die bevölkerung an angst vor veränderung, weil ihre konditionierung eine statische identität voraussetzt. die herausforderung von ansichten und glaubensätzen endet meist in beleidigungen und unverständnis, da irrtum ironischerweise mit niederlage assoziert wird. tatsächlich sollte man feiern, wenn man sich nachweislich geirrt hat, denn es bedeutet, jemand hat etwas weiter gedacht und mehr verstanden. es ist nur eine frage der zeit, dass die schlauesten ideen verändert, weiterentwickelt oder getilgt werden. die tendenz, blind an ansichten und glaubensätzen festzuhalten, sie zu schützen vor neuen, wahrscheinlich transformierenden informationen ist nichts weniger als eine form von intellektuellem materialismus. das finanzsystem hält diesen materialismus am leben, nicht nur durch seine selbstschutzstrukturen, sondern auch durch die unzähligen menschen, die gelernt haben, diese strukturen blind und gedankenlos aufrechtzuerhalten und so selbsternannte hüter des status quo werden, schafe, die keinen hirtenhund mehr brauchen um sie zu kontrollieren, da sie sich selbst kontrollieren durch auslese derer, die aus der norm treten. diese tendenz, sich veränderung zu widersetzen und die existierenden veralteten institutionen aufrechtzuerhalten um der identität, der macht, des komforts und profits willen, ist total unnachhaltig und sie wird zu nur noch mehr unausgeglichenheit, zersplitterung und verzerrung führen und, letztendlich, ausnahmslos zu zerstörung.
es ist an der zeit, etwas zu verändern.

von jägern und sammlern, zur landwirtschaftlichen revolution, zur industriellen revolution, die entwicklung ist deutlich. es ist zeit für ein neues soziales system, welches das wissen und verständnis wiederspiegelt, das wir heute haben. das finanzielle system, der monetarismus, ist ein produkt einer zeit in der knappheit realität war. heute im zeitalter der technologie ist es nicht länger relevant für die gesellschaft. genauso operieren dominante weltansichten wie theistische religionen mit der gleichen sozialen irrelevanz, islam, christentum, judentum, hinduismus und alle anderen, existieren als barrieren zu persönlichem und sozialen wachstum, da jede dieser gruppen eine geschlossene weltansicht aufrecht erhält. religion war erfolgreich im verdrängen des gewahrseins von vergänglichkeit durch das installieren einer psychologisch entstellten form des glaubens, in dem die gläubigen logische und neue informationen zugunsten traditioneller veralteter glaubensätze ablehnen.

im film gehts dann weiter mit der erklärung zur symbiose....
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society today is composed of a series of institutions. from political institutions, legal institutions, religious institutions, to institutions of social class, family values and occupational specialisation.
it is obvious the profound influence these traditionalised structures have in shaping our understanding and perspectives. yet of all the social institutions we are born into, directed by and conditioned upon there seems to be no system as taken for granted and misunderstood as the monetary system.
taking on nearly religious proportions the established monetary institution exists as one of the most unquestioned forms of faith there is. How money is created, the policies by which it is governed and how it truly effects society are unregistered interests of the great majority of the population.
in a world where one percent of the population earns forty percent of the planets wealth, in a world where 34 000 children die every single day from poverty and preventable diseases and where 50 percent of the worlds population lives on less then 2 dollars a day, one thing is clear: something is very wrong.
and wether we are aware of it or not, the liveblood of all of our established institutions and thus society itself is money, therfefore understanding this institution of monetary policy is critical to understanding why our lives are the way there are. unfortunatly economices is often viewed with confusion and boredom, endless streams of financially jargon coupled with intimidating mathematics quickly deters people from attemps at understanding it. however, the fact is , the complexity associated with the financial system is a mere mask, designed to conceal one of the most socially paralysing structures humanity has ever indured.

(the movie then explains about the regulation and policies of the governing of money, about global connections and manipulations, about loan, debt and interest, about artificially created scarcity in a world, where everybdy could have what is needed for living, manipulation of economy, world trade and world bank...

the social values of our society which has manifested in perpetual warfare, corruption, oppressive laws, social stratification, irrelevant superstitions, environmental destruction and a despotic, socially indifferent, profit oriented ruling class, is fundamentally the result of a collective ignorance of two of the most basic insights humans can have about reality, the emergent and symbiotic aspects of natural law. the emergent nature of reality is that all systems wether it is technology, knowlegde, society, philosophy or any other creaion will, when uninhibited, undergo fluid perpetual change. what we consider common place totay such as modern communication and transportation would have been unimaginable in ancient times. likewise the future will contain technologies, realisations and social structures, that we can not even fathom in the present. we have gone from alchemie to chemistry, from believing that demons were the cause of illness to modern medicine, this development shows no sign of ending, and it is this awareness that aligns us and leads us on a continued path to growth and progress. static imperical knowledge does not exist, rather it is the insight of the emergence of all systems we must recognise. this means we must be open for new information at all times, even if it threatens our current believe system or identities. sadly, society totay has failed to recognise this and the established institutions continue to paralyse growth by preserving outdated social structures. simultaniously the population suffers from a fear of change, for their conditioning assumes a static identity and challenging ones believe system usually results in insult and apprehension, for being wrong is ironiously associated with failure. when, in fact, to be proven wrong should be celebrated, for it is elevating someone to a new level of understanding further in awareness. the fact is there is no such thing as a smart human being for it is only a matter of times, before their ideas are uptaded, changed or eradicated. and this tendency to blindly hold onto believe systems, sheltering it from new possibly transforming information is nothing less then a form of intellectual materialism. the monetary system perpetuates this materialism, not only by its self preserving structures, but also through the countless numbers of people who has been conditioned into blindly and thoughtlessly upholding these structures, therefore becoming selfappointed guardians of the status quo, sheep, which no longer need a sheepdog to control them, for they control each other by condemning those who step out of the norm. this tendency to resist change and to uphold existing institutions for the sake of identity, comfort, power and profit, is completly unsustainable and will only produce further imbalance, fragmentation, distortion and invaribly, destruction.
its time to change.

from hunters and gatherers, to the agricultural revolution, to the industrial revolution, the pattern is clear, it is time for a new social system which reflects the understadings we have today. the monetary system is a product of a time where scarcity was reality, now with the age of technology it is no longer relevant to society. gone with the destructive behavior it manifests. likewise dominant world views, such as theistic religions operate with the same social irrelevancy, islam, christianity, judaism, hinduism, and all of the others, exist as barriers to personal and social growth for each group perpetuates a closed world view. and this finite understanding that they acknowledge is simply not possible in an emergent universe. yet religion has succeeded in shutting down the awareness of this emergence by installing the psychologic distortion of faith upon its followers where logic and new information is rejected in favor of traditional outdated believes.

..........................movie goes on speaking about symbiosis....................................................
06:45:03 - ulrika -

11 April

die letzten tage in indien










ich habe drei wochen stille und wilde natur in sattal, in den ausläufern des himalaya, so sehr genossen, dass ich beinahe geblieben wäre. dieser ort ist einer der schönsten, die ich auf meinen vielen reisen bisher kennengelernt habe. abgelegen in totaler stille liegt sattal zwischen bergen und seen, zwischen sanfter erde und weitem himmel. das land ist weich trotz vieler felsen und grosser steine, da es bedeckt ist von einem dichten teppich an kiefernnadeln, der wie wasser zwischen den steinen zu fliessen scheint.
zu beginn was es kalt und oft neblig, regnete und gewitterte viel. dann wurde es wärmer und am ende heiss (so wie es irgendwie in indien überall und zu jeder zeit im winter ist, es wird tag für tag wärmer). ich habe flughunde und verschiedenen affenarten beobachtet, unglaublich farbenprächtige vögel gesehen und nach schlangen, leoparden und skorpionen ausschau gehalten. es ist wild dort und der mensch gast.
während des ersten retreats habe ich noch yoga unterrichtet und massiert, war dann aber während des zweiten ganz und gar still. es ist schwer, über die erfahrung während eines retreats zu schreiben, worte zu finden für etwas, das klar ausserhalb der reichweite von worten und verstand liegt. wie glück, freude und innere ruhe und frieden sich anfühlen, kann jeder im eigenen bauch, herz und kopf finden.

to know the way
is to know oneself

to know oneself
is to forget oneself

to forget oneself
is to know the heart of everything

ein kleines beispiel kann ich noch geben, vorallem für diejenigen, die immer ratlos den kopf schütteln und nicht verstehen, was ich daran finde. warum meditieren, warum zum beispiel innere regungen, gefühle und gedanken beobachten? der buddha lehrt, dass viel im körper als empfindung beginnt und das dann psycho-mentale prozesse in gang kommen auf grund dieser empfindung, die wir dann zum beispiel als gefühle reaktiv erleben. wenn man also in der lage wäre, diesen vorgang zu beobachten und nicht nur unter dem eindruck von gefühlen und also von ihnen in gewissem sinne gefangen zu sein, wäre man weniger identifiziert mit dem gefühl, weniger reaktiv, freier, gelassener. das alles kannte ich theoretisch und dachte immer nur, na schön wärs! lange jahre fühle ich nun hinein in zum beispiel ärger; ich weiss dass er heiss und hart und scharf in der brust sitzt, ich weiss, dass wenn ärgerlich meine schultern verkrampfen und der atem schneller ist, aber das hilft noch nichts. nun habe ich folgendes erlebt. am ende einer 45 minütigen meditation, in der ich im schneidersitz gesessen und gewahrsein, aufmerksamkeit, präsenz praktiziert habe, erklingt ein gong. mein nachbar, derek, der neben mir auf einer luftmatraze gelegen hat, springt auf, rollt die matraze so zusammen, dass der verschluss, aus dem die luft laut herauszischt, direkt auf mich gerichtet ist. (in der meditationshalle versucht man eigentlich, so leise wie möglich zu sein)
und so habe ich es erlebt und zwar in vollem bewusstsein, dass ich es gerade erlebe, also als beobachter: erst hitze und schärfe in der brust, dann der klare gedanke -irritation- (ohne im geringsten irritiert zu sein, den gedanken nicht nur denkend, ihn auch sehend), dann das wissen, dass ich normalerweise über diesen vorfall sehr irritiert wäre und ärgerlich und dann belustigung über diese ganzen automatisch dahinrennenden, so lang geübten gedankenketten (kann er das nicht draussen machen..., kann er das nicht etwas später machen..., sieht er nicht, dass ich hier sitze...blablabla, das ganze, als ob sich die welt nur um mich dreht blabla). dieses kleine geschehniss sieht vielleicht nach nichts aus, und es ist ja auch ein kleines geschehniss. ich habe es allerdings als etwas grossartiges erlebt, als eine zum ersten mal erlebte freiheit und bewusstheit von automtischen prozessen, ein moment, als eine kraft der aufmerksamkeit.

hier in delhi bin ich in paharganj, dem touriviertel, das laut und anstrengend ist, aber auch praktisch, weil alles da ist, hotels, restaurants, geschenkekaufmöglichkeiten. von dem hotel, in dem mein zimmer im vierten stock liegt, kann ich auf einen kleinen platz runterschauen. hier finde ich die ganze indische welt komprimiert, es ist alles da, es passiert soviel, soviel leben, so viele gesichter, so viele aspekte, immer sich ändernd und niemals reglos. es gibt einen schuhmacher, der sich mehr oder weniger aus müll eine kleine höhle gebaut hat, und vor ihm liegen ein paar werkzeuge und eine menge schuhe. neben ihm ein chaishop, eine gasflasche, eine kiste, auf der der kocher steht, darauf topf, dann hat der mann, der auf einem wackligen hocker sitzt vielleicht zehn gläser, einen eimer, in dem er wasser ranholt und ein paar gefässe mit den zutaten. dem chaishop gegenüber sind zwei offices, die pakete verpacken und weltweit verschicken. viele, die mit indischem zeugs handeln, kaufen ihre sachen in delhi ein und bringen sie in büros wie diese, wo gewogen, verhandelt und verpackt wird. auf der strasse ist ein grosses bündel stroh und holzplanken, für den schifftransport werden hier vorm laden auf der strasse sehr stabile kisten gezimmert. wenn die ladung gross ist, wird der verkehr der quer über den kleinen platz sich schiebt, gestört, und es wird laut vom vielen hupen.
es gibt eine total zerfallene wellblechhütte mit plastikplanendach, vor der lustigerweise ein neues schild angelehnt steht, darauf steht: property dealer, sale, purchase and rent (eigentumsvermittler, verkauf, kauf und vermietung)
über den tag verteilt zu verschiedenen zeiten kommen kleine mobile läden auf fahrrädern vorbei. einer, der auf einem grossen gepäckträger um die 20 verschraubten gläser transportiert verkauft gewürze. ein obsthändler mit einem tisch auf vier rädern kommt jeden nachmittag vorbei und steht für ein paar stunden an der ecke. es kommen viele touristen vorbei. die meisten bleiben nur kurz in delhi, frisch gelandet bevor sie das land erkunden oder eben am ende kurz vorm rückflug. ich sehe einige komische sachen machen, eindeutig desorientiert und total konfus. diese sind wahrscheinlich gerade angekommen. mir gings ja genauso, als ich das erste mal nach indien kam, wurde ich in bombay gleich fast überfahren.
was mich am meisten fasziniert ist ein grosser innenhof, in den ich hineinschauen kann, dadurch dass ich von so hoch über die den hof umgebene mauer schauen kann. es ist eine mischung aus moschee, islamischer schule, internat für die jungen und auf dem hof ist eine aussenküche. die jungs sind verschiedenen alters, alle in weisser kurta mit kleiner kappe auf dem hinterkopf und sie faszinieren mich. sie wirken wie tänzer in ihren sanften, gewandten bewegungen, sie sind so lebhaft und so motiviert, so energetisch und wach im miteinander sein, im gehorsam den lehrern gegenüber, im helfen beim kochen, im waschen ihrer sachen... wieder eine ganze welt in der welt, und ich bin so neugierig, dass ich bald platze, aber zu schüchtern, am tor anzuklopfen und meine vielen fragen zu stellen. so sitze ich dann im vierten stock roof top cafe, trinke chai und schaue hinunter.
12:05:55 - ulrika -

16 March

hitze und staub

indira nagar ist ein wohlständiger stadtteil lucknows. ein wohngebiet von breiten strassen durchzogen, das irgendwie wie eine von kindern zusammengesetzte spielstadt wirkt. die häuser sind alle ein oder zweistöckig und eins neben dem anderen sehr unterschiedlich, die architekten waren wahrscheinlich die bewohner selbst, die aus reiner lust am spiel und aus dem wunsch heraus zu beeindrucken alle formen und farben mischen und wild aufeinander stapeln. manchen häuser erinnern mich an bauklotzspielereien, sandburgen oder andere an hochzeitscremetorten. alle gebäude haben erst ein bisschen grün und dann mauern um sich und ein grosses eisernes tor vor sich mit schweren schlössern. zwischendrin gibt es plätze mit bäumen und einer oft der hitze nicht standhaltenden vertrockneteten wiese hier und da. kinder spielen dort am nachmittag am liebsten cricket.
da alles nicht so gedrängt, vollgestopft und überbevölkert ist, vergesse ich manchmal, dass ich in indien bin. nicht lange! um die ecke gebogen, nicht gleich erkannt, ich zu nahe herangekommen und plötzlich stürmt eine horde wildschweinkinder der wegrennenden und irritiert grunzenden mutter hinterher. manchmal erkenne ich beim langsam näherkommen in dem grauen staub neben der strasse eine genauso graue und staubige riesensau, die ausgestreckt auf ihrem fetten bauch liegt und friedlich schläft. die wildschweine als müllentsorger, das ist so indisch, so typisch.
in den kleinen nebenstrassen, fern der grossen laster und busse, ist es angenehm ruhig. hier schieben oft strassenverkäufer einen verkaufstisch auf vier rädern langsam die hausreihen entlang und rufen laut und in charakteristischem singsang, was sie da verkaufen. Aaaluuu!!! (Kartoffeln) Jayas kleiner sohn gyan, der noch fast keine worte formen kann aber doch den ganzen tag viel erzählt, verfällt, wann immer er die verkäufer schon von weitem hört, in einen ebensolchen singsang.
es wird jetzt heiss, mittags sind es über dreissig grad, es ist fast soweit, dass der wind die luft, die er auf die haut bläst, heisser werden lässt und eine brise keine kühlung mehr bringt. mit der hitze kommt der durst, ein schwindelgefühl und dreimal frische kurtas am tag.
ich gehe nur noch wenn es nötig ist weiter nach draussen als auf die schattige terasse vor unseren zimmern. zum markt nach budhnath gehe ich abends, zum schneider nehme ich eine rikshaw obwohl es nur ein paar minuten zu fuss ist. so spare ich mir eine kurta mehr zu waschen. die letzte zeit vor dem 17 tägigen retreat, das in ein paar tagen in den bergen sein wird, verbringe ich mit dem hin und her organisieren von zugtickets, flügen, jobsuche (was ich da finde, beeinflusst wiederum das flugticket), bewerbungen, telefonaten, rechnen und geldzählen (das ist eher wenig, was ich da jetzt finde)...
wir machen es wohl so: benoit fliegt in ein paar tagen nach bulgarien und fährt von dort mit unserem auto durch den wilden osten bis in die schweiz. dort lande ich drei wochen später, nach dem retreat in genf. wir haben eine verabredung in der schweiz für ein potenzielles zukunftsprojekt und dann wohnen wir wahrscheinlich erstmal in einer ausgebauten wohnscheune am genfer see, auf der französischen seite. im mai werde ich, wenn alles klappt, nach grossbritannien fliegen, um meine dann mehr als leeren hosentaschen hoffentlich ganz ganz voll zu füllen mit buntem papier (was das leben so viel einfacher machen kann).


ZWISCHENFRAGE AN DEN WERTEN LESER

ich würde gern einmal wissen, wer eigentlich diese texte hier liest. auch wenn dabei herauskommen sollte, es gibt ihn nicht, den lieben leser. schreib einfach eine kurze mail an ulrika(at)enolla.org
danke!
13:46:07 - ulrika -

23 February

sarnath

das ist der thaitempel in sarnath. seit vielen jahren werden hier steinblöcke behauen, die skulptur eines stehenden buddhas wird gebaut. die arbeiter haben ihr handwerk vom vater und grossvater gelernt und es ist mir ein rätsel, wie sie hunderte blöcke am ende so passgenau anfertigen. der abbot der monastery meint, sie machen einfach keine fehler... die arbeiter sitzen den ganzen tag auf den blöcken und arbeiten mit meissel und hammer, sie haben schablonen, ein ein meter hohes modell und einen meister des handwerks. vor fünf jahren lagen die teile des gesichts noch als einzelne blöcke auf der wiese, jetzt ist das gesicht zusammengesetzt und von besuchern aus thailand mit goldpapier beklebt. sie hatten vor zwei jahren schon einen grossen sockel und die füsse aufgebaut. dann kam die indische regierung und meinte, an dieser stelle würde die skulptur den verkehr beeinträchtigen, was im angesicht des sowieso total verrückten verkehrs einfach ein witz ist. so mussten sie alles wieder abbauen und an anderer stelle neu aufbauen... zwei jahre mehr arbeit...



das wunderschöne gesicht, das ich nie müde werde zu betrachten



vor der meditationshalle: christopher, der hauptlehrer des programms und ein mönch aus burma, der in seinem land im gefängnis sass, gefoltert wurde und dann fliehen konnte vor dem miliär, er kam zu fuss nach indien.



jeden vormittag und nachmittag finden diskussionsgruppen statt, diese hier mit dem mönch aus burma und einer organisation aus den staaten, die die burmesischen buddhisten unterstützt.



die nächsten bilder sind von dave adair, einem freund und fotographen. www.daveadair.com
















in sarnath, einem kleinen buddhistischen pilgerort in der nähe von varanasi werden wir von strahlenden menschen begrüsst, voller erwartung. jedes jahr findet hier ein dharma programm statt, und um die hundert menschen werden daran teilnehmen. alle anderen touristen kommen in reisebussen an und fahren ein paar stunden später wieder ab, nachdem sie sich das archäologische museum, den tierpark und die stupa angeschaut haben, den ort, an dem der buddha vor 2500 jahren nach einer langen reise von bodhgaya anfing, seine lehre, das dharma zu verbreiten. unser programm ist im ganzen ort bekannt, weil wir hier bleiben, für zehn tage zum teil bei familien im dorf wohnen, da es nicht genug guesthouses gibt, und wir essen und trinken tee in kleinen chaishops an der strasse, wir leihen uns fahrräder aus und manche haben ihren persönlichen rishawfahrer. für viele menschen hier beginnt mit dem dharma programm eine kurze zeit, in der sie das meisste geld des jahres verdienen. es ist natürlich immer noch viel viel zu wenig für ihre grossen familien, weit weit entfernt von jeglichem wohlstand haben sie nie ausreichend, und ausserdem sind sie so glücklich uns zu sehen, dass sie uns einfach nicht bezahlen lassen wollen. benoit, nani und ich sind ein paar tage eher hier, um alles vorzubereiten und alle erkennen uns, laden uns ein, verkünden ihre neuigkeiten, zeigen uns ihre gewachsenen kinder und fotoalben und sprechen mit uns in übersprudelndem hindi, das wir kaum verstehen. hier in sarnath haben wir eine besondere verbindung zu den menschen, wir sind eine familie, die sich gegenseitig hilft.
im beliebtesten chaishop bei mahadev kann jeder in ein buch schreiben, wieviele lassis und tees und caffees einer trinkt und am ende bezahlen. sonu, mahadevs sohn, bringt uns betten, matratzen, stühle und tische in den thaitempel, in dem das programm stattfinden wird. zwei freunde von mir finanzieren die collegeausbildung seiner schwester.
das organisieren des programms war herausfordernd, es passieren einfach immer dinge unvorhergesehen hier, nichts so, wie man sich das denkt. aber alles lief gut und wie auch schon in tiru im januar habe ich "geld verdient", das heisst spenden bekommen, was mir jetzt ermöglicht, weiterzureisen.


04:30:25 - ulrika -

28 January

ganz normal in lucknow

wir sind wieder in lucknow, einer grossen und im touristischen sinne ganz unaufregenden stadt im norden von indien. wir sind hier weil ajay hier wohnt und jeden tag für eine stunde sanskrittexte übersetzt und interpretiert in seiner wunderbaren art, die nicht viele worte benutzt, um uns verstehen zu lassen. oft ist in dieser stunde mehr stille im raum als worte da sind, seine präsenz, sein lachen, seine ernsthaftigkeit und seine gesten lehren anstelle von intellektuellen erklärungen und gesprochenem gedankenaustausch. er übersetzt einen vers, findet bilder und beispiele, und in seiner poesie begeistert er mich für diese klassisch indischen philosophien, die so viel bedeutung und weisheit (das erfassen des ganzen in allen dingen die sind) in einen einzigen vers zulegen imstande sind. was mich an ajay vorallem beeindruckt und mich, als ich es sah, überzeugt hat, dass er ein guter lehrer ist, ist der fakt, dass in seinem wesen der kleine junge, der er vor fast fünfzig jahren war, ganz deutlich vorhanden ist. der sechsjährige lacht aus seinen augen, sprüht vor freude und schalk. seine gesichtszüge sind niemals verspannt oder verhärtet worden vom leben, sie sind immer noch so entspannt und sich der äusserlichkeit ganz unbewusst, unverstellt und frei wie die züge eines kindes, dass sich gar nichts daraus macht, wie es aussieht oder gesehen wird. ganz er selbst und frei, sich ganz zeigend, ohne zurückhaltung oder bemühung. was für ein teaching! sich selbst von innen spüren und sich dann erfüllen...
10:33:12 - ulrika -

22 January

gaze into the light with its own eternal eyes

eine papaya halbiert, bananen hineingeschnitten, diese kleinen süssen bananen, von denen es hier so viele verschiedene sorten gibt, dann limettensaft darüber gepresst - das esse ich am morgen. später einen chai an der strasse. es ist laut, der verkehr chaotisch, es sind so viele menschen unterwegs, zu fuss, auf mopeds, in bussen, rikshaws und auf fahrrädern, dazwischen hunde, katzen, auch schweine, die hier die müllentsorgung übernehmen, kühe sind neben der strasse festgebunden, werden gemolken und gefüttert und manchmal an der stirn berührt für eine segnung, ochsen mit langen spitzen bemalten hörnern, an denen glöckchen befestigt sind, ziehen beladene karren. es gibt viele pilger verschiedener hinduistischer sekten, menschengruppen, die orange, schwarze oder rote kleidung tragen, die in bussen hergebracht werden, blumenketten kaufen, tempel besuchen, und gleich an der hauptstrasse auf dem boden sitzend mittag essen von palmblättern. es gibt bettler und leprakranke, kinder, die murmelspiele spielen, arbeiter, die auch hier ihren morgenchai trinken und einen keks essen, das ist wahrscheinlich erstmal alles zum frühstück. es gibt einen gruss in indien der übersetzt bedeutet: hallo, hast du schon gegessen?
in den letzten 20 jahren entstand ein eigenartiges paralleluniversum zu der indischen welt, die community westlicher menschen, die hier in tiruvannamalai verschiedene lehrer, lehren und aufgaben findet, zusammenkommt zum singen, meditieren, tanzen, die morgentlich um den berg arunachala wandert, die workshops aller art anbietet. es gibt von allem etwas, musikinstrumentenbauer, tausenderlei bekannter und unbekannter therapieformen, designer, umweltschützer, wiederaufforstungsprojekte, hundesterilisierungsorganisationen, schulgründer, spendensammler, kleine organisationen, die handmade by indian women from the village produkte promoten und es gibt sogar einen cosmischen flughafen, the cosmic airport for consious birth giving and consious dying...
diese stadt ist ein ganzes universum, eine weite, verrückte und sehr lebendige welt. nachdem ich letzten winter überhaupt nicht verkraftet habe hier zu sein - alles war zuviel, zu intensiv, zu fremd und schwierig, fühle ich mich diesmal ganz in meinem element und lass mich tragen, wie von einem fluss, der dem wasser auch keine zweifel lässt über den weg, den das fliessen nimmt.


es sind auch viele freunde, die sich hier treffen, in englisch sagt man, like minded people. menschen, die die gleichen fragen verfolgen, auf einem ähnlichen weg sind, that is: awakening. jeden tag finden in dem hier gerade gehaltenen dharma inquiry program diskussionsgruppen unserer lehrer statt, mit titeln wie

what is there to realise and how can i become real?
uncaused happyness
what is truth?
...

so angefüllt, verrückt und unglaublich diese welt ist, hier wird es deutlich, dass all diese formen und erscheinungen der welt und des eigenen seins nichts weiter bedeuten, sich immer ändern werden, konstruiert sind, leer und endlich, aber dass DAS, was diese formen erkennbar macht und erscheinen lässt, alles bedeutet, dass das alles durchdringt, unwandelbar ist, das unkonstruierte, nie geborene und unsterbliche.


how can i live, knowing now that all this life is just a grain of sand held by vastness
how can i be concerned about this grain of sand
how can i not long for the realization of the whole beauty of this land

just don't ask me to twist myself around some crazy agreement everybody is living for
let me just go for this vastness, even if i wont walk on solid grounds
let me just emerge into it, even if i would die
for i can do nothing else
05:17:51 - ulrika -

16 January

life is beautiful





das retreat ist vorbei. anka und ich haben tapfer durchgehalten als manager, ich habe auch yoga unterrichtet morgens halb sieben jeden tag. die organisation war oft anstrengend, voller überraschungen, zwei schlimme notfälle sind passiert und auch unvorhergesehene glücksmomente. jetzt sind wir wieder in tiruvannamalai, und hier findet das erste dharma treffen statt, bei dessen organisation wir jetzt auch gleich mithelfen.

ich bin ganz erfüllt, voller energie, zuversicht und fühle mich lebendig, verbunden mit dem was für mich in meinem leben von bedeutung ist. irgendwie wird der panzer dünner, die waffen unbrauchbar, das sein transparent, und in dieser verletzlichkeit liegt so viel kraft.
08:16:48 - ulrika -

02 January

was ich hier mache

in drei tagen werden vier lehrer und über fünfzig rereat teilnehmer im anantha niketan ashram ankommen. bis jetzt wohnen ein paar gäste hier, die ashramgründer, chitra ma, die frau die das sagen hat, ihre freunde, die für sie bruder und schwester sind, und arbeiter, familien aus dem nächsten dorf, die mutter wäscht, der vater baut und die töchter arbeiten auch für einen geringen lohn, wenn sie von der schule kommen. mit chitra mache in den bettenplan, wieviele leute in welchen gebäuden untergebracht werden. morgen werden wir dann alle räume durchfegen und betten aufstellen, matrazen und kissen dazu und stricke spannen für die moskitonetze. die teilnehmer des retreats werden in schlafsälen schlafen oder kleinere zimmer teilen, es gibt keine einzelzimmer und kaum raum für sonderwünsche. mit chitra bespreche ich auch dinge wie wohin mit wertsachen, können wir der frau, die die wäsche wäscht wieder beauftragen, wir brauchen neue trinkwasserbehälter... ich mache mehrere shoppingtours in die stadt (es dauert bis man einen hardwarestore mit kokusnussstricken findet) und dann bereite ich das notice board vor. ich drucke in der stadt informationen aus über die lehrer, über meditation und schweigen im allgemeinen und anleitungen und methoden im besonderen. das communikationssystem bastel ich zusammen, baumle stifte und zettel an stricke, dass sie auch dort bleiben und nicht weggetragen werden... lauter kleine dinge. ich schreibe eine liste für arbeiten, die jeder nach dem frühstück zu erledigen hat (diesmal auch reis anpflanzen), der zeitplan wird aufgestellt, und der dazugehörige glockenläutdienst, registrierungsformulare copiert und anweisungen, wie zum beispiel die toiletteninstruktion, damit auch alle verstehen, dass klopapier nicht runtergespült werden kann. es gibt eine menge dinge zum thema hygiene, dass uns die leute, die frisch aus der westlichen welt kommen nicht alle umfallen. ich durchdenke, was dann in welcher reihen folge pasieren muss, wenn sich der platz innerhalb von zwei stunden mit 50 leuten füllt. eins nach dem andern, alles nach plan und nachvollziehbar für die ankommenden. sie registrieren sich erst, das normale prozedere in indien, mit passportnumber und visanumber (plus wer hat welche nahrungsmittelallergien, mentale besonderheiten, emotionale aussergewöhnlichkeiten), dann bezahlen sie ihren beitrag für essen und bett, sprechen kurz mit einem der lehrer wenn sie neu sind, dann bekommen sie einen job zugeteilt und eine ashramtour, werden vorbeigeführt am noticeboard, der küche und der meditationshalle. sie werden ihre sachen neben ihrem bett abstellen, sich mit den anderen absprechen, welche nummmer ihr türschloss hat und ob sie morgens das licht anmachen oder die taschenlampen benutzen wollen..., sich einen platz in der meditationshalle aussuchen, dort werden sie die meiste zeit in den nächsten zehn tagen verbringen. am abend nach dem dinner werden anke und ich noch einen langen vortrag darüber halten, wie das alles geschehen wird, was geht und was nicht geht, von: was ist angemessene kleidung in einem indischen ashram?, über: wenn du einen zettel an lehrer und manager schreibst, bitte unterschrift nicht vergessen! oder: uhren synchronisieren, jobs erklären und andere regeln.... eine flutwelle an informationen, dann werden die lehrer sprechen und dann silence und gute nacht. die ersten zwei drei tage sind erfahrungsgemäss anstrengend für die organisatoren. jeder hat irgendwas vergessen, manche werden krank, manche können einfach wirklich nicht mit der frau, die so nervend mit ihren klamotten rumhantiert in einem zimmer sein. daneben werden wir die leute nach meditationserfahrung sortieren, damit sie dann in kleinen gruppen mit jeweils einem lehrer kurz austauschen, was so passiert. anke und ich werden kleine wanderungen in die umgebung erkunden, die wir dann yatramässig in einer schweigenden lange schlange unternehmen, wahrscheinlich wird auch einer von uns yoga unterrichten früh um sechs. wir werden unsere ausgaben ausrechen und buchführen, geschenke einkaufen für die ashramarbeiter, die am ende dann gegeben werden und dann bald den abschluss des retreats organisieren, die rede über den praktischen aspekt und die über das ende des schweigens, wir werden spendenboxen basteln, emaillisten prüfen, informationen über andere und weitere programme ausdrucken, listen wo sich die leute einschreiben, wann wer wohin und dann gilt es noch rikshawfahrer zu benachrichtigen....
03:09:05 - ulrika -

28 December

india


mit dem scooter auf der landstrasse fahren, das ist wind im haar und staub und abgase. ich weiche heranrrauschenden bussen aus und schwerbeladenen lastern, ich lasse kühen, hunden und ziegenherden die vorfahrt, ich bremse, wann immer es ein bisschen eng wird, da ja sonst kaum einer bremst, alle hupen nur und denken, dass das hilft beim schnell durchkommen. ich hupe auch oft beim überholen von fussgängern, fahrradfahrern oder anderer mopeds, da das die art und weise ist, wie die menschen strassenverkehr hier gewöhnt sind, sie wissen dann, ah da kommt einer, sie machen dann keine unerwarteten schwenks und werden so die angewohnheit nach hinten oder in den rückspiegel zu schauen wohl nie entwickeln müssen. deswegen sind vielleicht auch die hupen je lauter, je grösser das vehikel ist und je weniger willig zu bremsen der fahrer, so dass die vorderen wissen, was sie erwartet. und die grossen laster und busse sind wirklich schrecken der strasse. man muss ihnen aus dem weg, das ist gar keine frage und manchmal muss man ganz von der strasse runter und auf den sandstreifen fahren, wenn sie einem auf der eigenen seite entgegenkommen, da ihre fahrseite zu viele löcher hat für die schnellstmöglichste geschwindigkeit. naja sie warnen mich ja, das hupen ist das brüllen der könige der strasse und so eine kleine ameise mit scooter wie ich es bin sollte sich dann ohne falschen stolz besser dünnmachen. sie fahren wie die teufel, es sieht manchmal so aus, als würde dieser vollbesetzte buss zur seite kippen, wenn der fahrer das lenkrad rumreisst, nach einem überholmanöver kurz vor einem entgegenkommenden anderen herandröhnenden bus...
es ist kein harmloses spiel, aber es macht spass.

und so ist es krank zu sein: nachts ist mir schlecht, ich liege mal schwitzend, mal frierend in meinem bett unter dem moskitonetz, kann nicht schlafen und beobachte jede regung in meinem inneren. ich weiss nicht, was ich falsches gegessen oder getrunken habe, aber irgendwas passt meinem körper gar nicht, da ist ein tumult in den eingeweiden, murren, knurren, plätschern, rumpeln... und irgendetwas muss rausgespühlt werden, was dann auch am frühen morgen eindrucksvoll passiert. auf diese körperreaktion kann ich mich verlassen. mehr als eine banane zum frühstück kriege ich nicht runter und mir diese kleine banane einzuverleiben dauert fast zwanzig minuten. dann versuche ich zu schlafen und da mein kleines haus direkt neben einer baustelle steht, platzt mir bald der kopf vom baulärm. jede stimme, jedes motoren und maschinengeräusch ist irgendwie fünfmal lauter als gestern. als ich mich dann entschliesse mir ein anderes zimmer geben zu lassen, falle ich laksmi fast in die arme, alles dreht sich, mir ist schwarz vor augen, mein kreislauf hätte wohl mehr als eine banane gebraucht... laksmi bettet mich in ihrem zimmer, gibt anweisungen, einen anderen raum für mich zu räumen und nach zwei stunden herumdösen und einer weiteren banane zum lunch, ziehe ich um, schlafe den ganzen nachmittag in meinem neuen zimmer weit weg von der baustelle und am abend gehts dann schon wieder besser, ich habe heisshunger und esse.
02:25:46 - ulrika -

22 December

poem by rumi


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“This is love:
to fly toward a secret sky, to cause a hundred veils to fall each moment.
First to let go of life. Finally, to take a step without feet.”

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05:56:59 - ulrika -

16 December

tiruvannamalai

die welt ist einfach, wenn ich mich so umschaue, hier in einem kleinen cafe an der hauptstrasse von tiruvannamalai. holzplatten auf ziegelsteinen machen einen tisch, drum herum liegen dünne strohmatten und ein paar längst durchgesessene kissen. die dachkonstruktion aus bambustangen ist bedeckt mit geflochtenen palmblättern, lebensraum der geckos, blanke glühbirnen hängen am kabel, der anschalter für diese ist mit klebeband befestigt. die fenster sind mit moskitonetzen verkleidet, nicht verglast. und so gibt es keine wirkliche grenze zum draussen, dieser raum ist offen und durchlässig. der lärm der hauptstrasse, die gerüche, die heisse luft, trommelwirbel und knaller, alles durchdringt alles.
so ist innen wie aussen, aussen ist innen.
und so ergeht es den menschen hier, für viele reisende bedeutet indien diese vermischung von innen und aussen. es kann ersteinmal schwierig sein, was da entdeckt wird. längst verfestigte fassaden können nicht mehr aufrecht erhalten werden, da ihre falschheit offensichtlich wird im indischen licht, die dinge kommen auf den tisch, blank wie die glühbirne am kabel, die auf sie scheint, ohne verschönerung, blossgelegt, transparent - as it is
es wird klar, wenn man sich selbst nicht entspricht, wenn zuviel gewollt ist oder versucht wird - das unpassende darin. es wird klar, wenn unmittelbares zurückgehalten wird, wenn die spontane reaktion nicht zum ausdruck kommt, alles wird deutlich, die intention, die angst, die blindheit und ignoranz, das subtile spiel der manipulation, das verschrobene, versteckte, das in sich gefangene, das in der eigenen vermeintlichen wichtigkeit stecken gebliebene.
indien ist wie das kind der welt, das verrückt ist in seiner unmittelbarkeit und direktheit, in seiner spontanität ehrlich, roh und bar aller unnötigen extras. dieses verrückte kind der welt ist in gewissem sinne das einzig normalgebliebene leben. menschen kommen hier her und wollen das land entdecken, doch die grösste entdeckung die sie machen ist die ihrer selbst. indien beeindruckt, schockiert und begeistert jeden der hierher kommt, aber vor allem verändert es.
01:08:24 - ulrika -